KI in der Schule: Wie und wann Kinder KI nutzen sollten
Ein Leitfaden für Eltern nach Klassenstufen.
1. Einleitung
An der Lumos Schule nutzen Schülerinnen und Schüler vor der 6. Klasse keine offenen Chatbots allein. In den Klassen 1 bis 3 wird KI ausschliesslich über die Lehrperson eingesetzt. In den Klassen 4 und 5 lernen die Kinder, was KI ist, was sie kann und wo ihre Grenzen liegen. Ab der 6. Klasse beginnen sie, KI für kleine, klar strukturierte Aufgaben zu nutzen. In den Klassen 8 und 9 arbeiten sie selbstständiger damit. Der grösste Teil der Schularbeit bleibt jedoch ohne KI.
Diese sorgfältige Abfolge bedeutet nicht, dass wir KI für unwichtig halten. Im Gegenteil. KI verändert weiterführende Bildung, Arbeitswelt und Alltag. Unsere Aufgabe besteht nicht mehr nur darin, fähige Köpfe zu entwickeln. Wir müssen junge Menschen darauf vorbereiten, sehr gut mit KI zusammenzuarbeiten, ohne dabei ihre Unabhängigkeit, ihr Urteilsvermögen oder ihre Fähigkeit zum eigenen Denken zu verlieren.
Unser Grundsatz ist einfach: Wir stärken zuerst das eigenständige Denken und führen dann das Werkzeug ein.
KI macht es leicht, Teile unseres Denkens auszulagern. Für erfahrene Erwachsene kann das enorm wertvoll sein. KI kann in wenigen Minuten mehr Analysen, Ideen, Gegenargumente und Entwürfe erzeugen, als eine einzelne Person allein entwickeln könnte. Sie kann viel geistige Arbeit in sehr kurzer Zeit verdichten.
Das funktioniert aber nur dann gut, wenn die Person beurteilen kann, was zurückkommt. Man braucht genügend Wissen, um Fehler zu erkennen, genügend Verständnis, um der Argumentation zu folgen, genügend Urteilsvermögen, um die richtige Entscheidung zu treffen, und genügend Gespür für Qualität, um die Idee oder Formulierung auszuwählen, die zur jeweiligen Situation passt.
Kinder entwickeln diese Fähigkeiten noch. Wenn sie die schwierigen Teile des Schreibens, Argumentierens, Problemlösens oder Nachdenkens regelmässig auslagern, können ihre Antworten besser werden, ohne dass sie selbst bessere Denker werden. Unsere Aufgabe besteht deshalb darin, zuerst starke menschliche Grundlagen aufzubauen und den Kindern danach beizubringen, wie sie diese Fähigkeiten mit KI erweitern können.
2. Unsere fünf Grundsätze
#1: Wir führen KI schrittweise ein, statt sie zu verbieten oder zu überstürzen.
In den frühen Jahren bauen die Kinder starke Grundlagen auf und nutzen selbst nur sehr wenig KI. Danach entwickeln sie KI Kompetenz. Sie lernen, wie diese Systeme funktionieren und wo ihre Grenzen liegen. Später beginnen sie, KI für sorgfältig gestaltete Aufgaben einzusetzen, bei denen das wichtige Denken weiterhin beim Kind bleibt.
#2: Die Schüler müssen ihr Denken selbst verantworten.
Jede Aufgabe mit KI muss von den Schülern etwas Wichtiges verlangen, das die KI nicht für sie übernehmen kann. KI Ergebnisse sind Rohmaterial, das hinterfragt, überprüft, verbessert und weiterentwickelt wird. Sie sind nicht die fertige Abgabe.
#3: Der Unterricht bereitet Kinder auf einen guten Umgang mit KI vor.
Ein Kind muss KI nicht benutzen, um sich auf eine Zukunft mit KI vorzubereiten. Mathematik, Schreiben, Naturwissenschaften, Geschichte, Kunst, Gespräche und Projektarbeit bauen das Wissen und die Denkgewohnheiten auf, die ein kompetenter Umgang mit KI voraussetzt. Jede Unterrichtsstunde, die klares und eigenständiges Denken fördert, ist Teil unserer KI Strategie.
#4: Lehrpersonen sollten KI stärker nutzen als Schüler.
Lehrpersonen verfügen bereits über das Fachwissen und das professionelle Urteilsvermögen, um KI Ergebnisse zu beurteilen. Sie können KI einsetzen, um Differenzierung, Planung, Beurteilung, Feedback und Kommunikation zu verbessern. Die Kinder erhalten die Vorteile, ohne selbst eine Abhängigkeit vom Werkzeug zu entwickeln.
#5: Wir überprüfen unseren Ansatz laufend.
KI entwickelt sich schnell. Auch die Forschung zu ihren Auswirkungen auf Kinder steht noch am Anfang. Unsere KI Leitung überprüft unseren Ansatz mindestens alle sechs Monate und früher, wenn neue Erkenntnisse oder Technologien eine Anpassung erforderlich machen.
3. Ab welchem Alter sollten Kinder KI nutzen?
Es gibt kein einzelnes Alter, in dem jedes Kind plötzlich bereit für KI ist. Entscheidend ist, wofür das Kind die KI einsetzen soll und ob die zugrunde liegende Fähigkeit bereits genügend entwickelt ist.
In jeder Phase stellen wir dieselbe Frage: Welche Fähigkeit bauen wir gerade auf, und ist sie stark genug, damit KI sinnvoll darauf aufbauen kann?
Klassen 1 bis 3
KI wird über die Lehrperson eingesetzt. Die Schülerinnen und Schüler nutzen keine offenen generativen Chatbots.
Lehrpersonen können gelegentlich geschlossene, altersgerechte Lernsoftware verwenden, die Übungen an das Kind anpasst. Unterstützende Werkzeuge wie Vorlesefunktionen, Diktierfunktionen und Übersetzung sind ebenfalls willkommen, wenn ein Kind sie benötigt.
In dieser Phase stehen Leseflüssigkeit, die Automatisierung grundlegender Rechenfertigkeiten, Sprachentwicklung, Aufmerksamkeit, Ausdauer und die ersten Grundlagen des kritischen Denkens im Vordergrund.
Klassen 4 bis 5
Die Schülerinnen und Schüler kommen zum ersten Mal direkt mit KI in Kontakt. Eine Lehrperson begleitet die Nutzung immer, meist über einen gemeinsam sichtbaren Bildschirm.
Das Ziel ist Verständnis, nicht Produktion. Die Kinder lernen, was KI ist, was sie gut kann, warum sie auch bei falschen Antworten überzeugend klingen kann und weshalb persönliche Informationen nicht in ein KI Werkzeug gehören.
Bevor die Nutzung erweitert wird, sollte ein Kind in eigenen Worten erklären können, wie KI ungefähr funktioniert und wo ihre Grenzen liegen.
Klassen 6 bis 7
Sorgfältig strukturierte Aufgaben mit KI beginnen. Sie machen jedoch weiterhin nur einen kleinen Teil der Schularbeit aus.
Der Einsatz von KI ist an eine klar definierte Aufgabe gebunden. Die Schülerinnen und Schüler öffnen nicht einfach einen Chatbot und lassen ihn ihre Arbeit erledigen. Sie zeigen, was sie gefragt haben, was sie übernommen, verändert oder verworfen haben und weshalb.
Bevor sie mehr Freiheit erhalten, sollten sie KI nutzen können, ohne ihr das zentrale Denken zu überlassen.
Klassen 8 bis 9
Die Schülerinnen und Schüler nutzen KI in mehr Aufgaben und mit grösserer Selbstständigkeit. Klare Leitplanken bleiben jedoch bestehen. Der grösste Teil der Schularbeit wird weiterhin ohne KI erledigt.
Die Schülerinnen und Schüler zeigen ihren Prozess. Dazu gehören ihre Eingaben, Überarbeitungen, Entscheidungen und verworfenen Ergebnisse. Zunehmend beurteilen wir die Qualität ihres Urteilsvermögens und nicht den äusseren Glanz eines von KI erzeugten Ergebnisses.
Unser Ziel bis zum Ende der 9. Klasse ist ein junger Mensch, der KI bewusst einsetzt, klare Anweisungen gibt, ihre Ergebnisse angemessen hinterfragt, Fehler erkennt und die Arbeit weiterhin auch ohne KI erledigen kann.
4. Was bedeutet begrenzte KI Nutzung in den frühen Jahren?
Unsere Grenze richtet sich nicht gegen jede Form von Technologie. Sie richtet sich vor allem gegen offene generative Werkzeuge, die auf Wunsch Aufsätze, Antworten, Bilder oder andere fertige Arbeiten produzieren.
Geschlossene Lernsoftware kann sinnvoll sein, wenn sie einem Kind gezielte Übungen auf dem passenden Niveau bietet. Unterstützende Werkzeuge können Kindern den Zugang zum Lernen erleichtern. Beides kann bei sorgfältigem Einsatz angemessen sein.
Entscheidend ist, ob das Werkzeug das Kind bei der Arbeit unterstützt oder die wichtige Arbeit unbemerkt für das Kind übernimmt. Ein Werkzeug, das begrenzte Übungsmöglichkeiten bietet, kann helfen. Ein Werkzeug, das die fertige Antwort liefert, nimmt dem Kind die Übung ab.
Der grösste Teil des Lernens in den frühen Jahren sollte weiterhin ohne Bildschirm stattfinden.
5. Weshalb begrenzen wir KI in den frühen Jahren?
Weil ein grosser Teil des Lernens durch die Anstrengung entsteht, etwas Schwieriges selbst zu tun.
Wenn ein Kind etwas aus dem Gedächtnis abruft, sich durch eine Mathematikaufgabe arbeitet, nach den richtigen Worten sucht, eine Idee prüft oder einen schwachen Absatz überarbeitet, baut es dauerhafte Fähigkeiten auf. Die Antwort ist wichtig. Genauso wichtig ist jedoch die geistige Arbeit, die nötig war, um zu ihr zu gelangen.
In der Pädagogik wird dies manchmal als produktives Scheitern oder lernförderliche Schwierigkeit bezeichnet. Einfach gesagt bedeutet es, dass ein gewisses Mass an Schwierigkeit nützlich ist. Es zwingt die Schülerinnen und Schüler, sich zu erinnern, Zusammenhänge herzustellen, etwas auszuprobieren, zu überarbeiten und es erneut zu versuchen. So entsteht nachhaltiges Verständnis.
KI kann diese Schwierigkeit fast sofort beseitigen. Das Kind produziert vielleicht heute eine bessere Antwort, lernt aber weniger aus der Aufgabe.
Erste Forschungsergebnisse geben uns gute Gründe für Vorsicht. Im Arbeitspapier Generative AI Can Harm Learning aus dem Jahr 2024 lösten Schülerinnen und Schüler mit einem gewöhnlichen Chatbot mehr Übungsaufgaben in Mathematik. Bei einer späteren Prüfung ohne das Werkzeug schnitten sie jedoch schlechter ab. Eine Version mit didaktischen Leitplanken verhinderte den grössten Teil dieses negativen Effekts.
Eine Studie des MIT Media Lab aus dem Jahr 2025, Your Brain on ChatGPT, ergab, dass Personen, die sich beim Schreiben auf einen Chatbot stützten, sich weniger an ihre eigenen Texte erinnerten und sich weniger als Urheberinnen oder Urheber ihrer Arbeit fühlten.
Diese Studien beantworten noch nicht jede Frage zu KI und Lernen. Sie stützen jedoch eine Sorge, die Schulen ernst nehmen sollten: Wenn ein Werkzeug zu viel vom Denken übernimmt, bleibt für die Schülerin oder den Schüler möglicherweise zu wenig vom eigentlichen Lernen übrig.
Für Erwachsene, die die zugrunde liegende Fähigkeit bereits entwickelt haben, kann das Auslagern eines Teils der Arbeit ein sinnvoller Tausch sein. Für Kinder, die diese Fähigkeit noch aufbauen, ist es das möglicherweise nicht.
6. Nach Alter
KI sollte in der 2. Klasse nicht gleich aussehen wie in der 9. Klasse.
Kinder entwickeln sich über Zeit. Unsere Nutzung von KI muss sich mit ihnen entwickeln. Die Frage in jedem Alter ist einfach:
Wofür ist das Kind bereit?
1. bis 3. Klasse
KI wirkt über die Lehrperson
In den frühen Jahren sollten Schülerinnen und Schüler KI kaum direkt nutzen.
In diesem Alter bauen Kinder die grundlegenden Fähigkeiten des Lernens auf. Sie lernen lesen, schreiben, zählen, sich erinnern, sich konzentrieren, zuhören, klar sprechen, ihr Denken erklären und mit anderen arbeiten.
Diese Grundlagen brauchen Übung. Sie können nicht übersprungen werden.
So kann das aussehen
Eine Lehrperson kann KI nutzen, um einen Lesetext genau auf dem passenden Niveau eines Kindes zu erstellen.
Eine Lehrperson kann KI nutzen, um zusätzliche Mathematikaufgaben für ein Kind zu erstellen, das mehr Übung braucht.
Eine Lehrperson kann KI nutzen, um eine einfache Geschichte mit Wörtern zu schreiben, die ein Leseanfänger bereits entschlüsseln kann.
Eine Lehrperson kann KI nutzen, um eine Aufgabe an die Interessen eines Kindes anzupassen, etwa Tiere, Weltraum, Fussball oder Musik.
Aber das Kind sitzt nicht mit einem offenen Chatbot. Das Kind liest, schreibt, zählt, zeichnet, baut, spricht, hört zu und denkt.
Beispiel für Eltern
Ein Kind in der 2. Klasse liebt Haie und braucht mehr Leseübung. Die Lehrperson kann KI nutzen, um eine einfache Haigeschichte mit genau den Lauten und Wörtern zu erstellen, die das Kind gerade lernt. Das Kind profitiert von einem persönlicheren Lesetext, aber das Kind liest weiterhin selbst.
Das ist eine gute Nutzung von KI.
Eine schlechte Nutzung wäre, das Kind KI nach den Antworten zu Leseaufgaben fragen zu lassen, bevor es gelernt hat, sorgfältig selbst zu lesen.
4. und 5. Klasse
KI prüfen lernen
In der 4. und 5. Klasse können Schülerinnen und Schüler ihren ersten direkten Kontakt mit KI haben, aber geführt und beaufsichtigt durch die Lehrperson. Oft geschieht das auf einem gemeinsamen Bildschirm mit der ganzen Klasse.
In dieser Phase wollen wir, dass Kinder vor allem eines lernen:
KI kann selbstbewusst klingen und trotzdem falsch liegen.
Das ist eine der gesündesten ersten Lektionen, die ein Kind über KI lernen kann.
So kann das aussehen
Die Lehrperson bittet KI zu erklären, warum es Jahreszeiten gibt. Die Klasse prüft die Antwort anschliessend mit dem, was sie im Naturwissenschaftsunterricht gelernt hat.
Die Lehrperson bittet KI um eine kurze Biografie einer historischen Person. Die Schülerinnen und Schüler suchen nach Aussagen, die überprüft werden müssen.
Die Lehrperson bittet KI, eine Textaufgabe zu lösen. Die Schülerinnen und Schüler entscheiden, ob die Antwort sinnvoll ist.
Die Lehrperson zeigt ein KI erzeugtes Bild und fragt, welche Hinweise darauf hindeuten, dass es vielleicht nicht echt ist.
Beispiel für Eltern
Eine 5. Klasse beschäftigt sich mit Entdeckern. Die Lehrperson bittet KI, fünf Fakten über eine Person zu schreiben, die die Klasse gut kennt. Ein Fakt ist falsch. Die Schülerinnen und Schüler entdecken den Fehler, prüfen ihn in einer verlässlichen Quelle und besprechen, warum eine selbstbewusste Antwort nicht immer eine wahre Antwort ist.
Genau darum geht es.
Wir bringen Kindern nicht bei, KI zu vertrauen. Wir bringen ihnen bei, KI zu hinterfragen.
6. und 7. Klasse
Begrenzte Nutzung
In der 6. und 7. Klasse können Schülerinnen und Schüler beginnen, KI selbst zu nutzen, aber nur in sorgfältig gestalteten Aufgaben.
KI Nutzung sollte weiterhin begrenzt bleiben. Sie sollte nur einen kleineren Teil der Arbeit ausmachen. Sie sollte nicht offen und unbegrenzt sein. Die Lehrperson muss klar sagen, wofür KI genutzt werden darf und wofür nicht.
In dieser Phase lernen Schülerinnen und Schüler, KI als Werkzeug zu nutzen, nicht als Ersatz für eigenes Denken.
So kann das aussehen
In Naturwissenschaften gibt KI drei Erklärungen zur Fotosynthese. Die Schülerinnen und Schüler vergleichen die Erklärungen mit ihren Notizen und entscheiden, welche am klarsten ist und welche Fehler enthält.
Im Schreiben verfassen Schülerinnen und Schüler zuerst selbst einen Absatz. Danach bitten sie KI um Vorschläge, wie er klarer werden könnte. Sie müssen entscheiden, welche Vorschläge sie übernehmen und welche sie ablehnen.
In Geschichte erzeugt KI ein Argument dazu, warum ein Reich unterging. Die Schülerinnen und Schüler prüfen es anhand von Quellen und finden schwache Stellen.
In Mathematik zeigt KI eine falsche Lösung. Die Schülerinnen und Schüler finden den Fehler und erklären ihn.
Beispiel für Eltern
Eine Schülerin in der 7. Klasse schreibt einen Absatz über erneuerbare Energie. Erst nachdem sie ihn selbst geschrieben hat, bittet sie KI um Rückmeldung. KI schlägt drei Änderungen vor. Die Schülerin übernimmt eine, verändert eine und lehnt eine ab. Danach erklärt sie warum.
Die Lehrperson bewertet nicht den KI Vorschlag. Sie bewertet das Urteil der Schülerin.
8. und 9. Klasse
Verantwortlich nutzen
In der 8. und 9. Klasse sollten Schülerinnen und Schüler mehr Gelegenheiten bekommen, KI in sinnvollen Aufgaben zu nutzen. Die meiste Arbeit wird weiterhin ohne KI stattfinden, weil Schülerinnen und Schüler weiterhin unabhängiges Denken üben müssen. Aber manche Aufgaben werden KI bewusst einbeziehen.
In dieser Phase sollen Schülerinnen und Schüler lernen, wie man KI gut nutzt, wann man sie nicht nutzt und wie man selbst die Kontrolle behält.
So kann das aussehen
Ein Schüler schreibt einen Aufsatz ohne KI und bittet KI danach um das stärkste Gegenargument. Anschliessend verbessert er den Aufsatz.
Eine Schülerin bereitet sich auf eine Debatte vor und bittet KI, wahrscheinliche Argumente der Gegenseite zu erzeugen. Sie prüft sie, ordnet sie nach Stärke und bereitet Antworten vor.
Ein Schüler baut eine Projektwebsite und nutzt KI, um eine mögliche Struktur zu erhalten. Den eigentlichen Inhalt schreibt er selbst und alle Aussagen prüft er.
Eine Schülerin arbeitet an einem naturwissenschaftlichen Projekt und bittet KI, mögliche Variablen vorzuschlagen. Sie entwirft aber selbst das Experiment, sammelt die Daten und zieht die Schlussfolgerung.
Beispiel für Eltern
Eine Schülerin in der 9. Klasse schreibt darüber, ob soziale Medien mehr schaden als nützen. Sie schreibt ihren eigenen Aufsatz zuerst. Danach bittet sie KI, die Gegenseite zu vertreten. Sie wählt das stärkste Gegenargument aus und überarbeitet ihren Aufsatz so, dass er darauf eingeht.
Das ist eine gute Nutzung von KI, weil die Schülerin die Denkerin bleibt.
7. Gute Aufgaben
Wenn Schülerinnen und Schüler KI nutzen, muss die Aufgabe sorgfältig gestaltet sein.
Eine schwache KI Aufgabe lautet:
Nutze KI, um einen Bericht zu schreiben.
Eine starke KI Aufgabe lautet:
Nutze KI, um etwas zu erzeugen, das du prüfen, verbessern, herausfordern oder weiterentwickeln musst.
Der Unterschied ist wichtig.
Echtes Lernen
KI darf bei einem kleinen Teil der Aufgabe helfen, aber sie darf nicht das zentrale Denken übernehmen.
Wenn das Ziel ist, Argumentieren zu lernen, sollte KI nicht das Argument für das Kind schreiben. KI kann aber Gegenargumente erzeugen, auf die das Kind antworten muss.
Wenn das Ziel ist, naturwissenschaftliches Denken zu lernen, sollte KI nicht das ganze Experiment entwerfen. KI kann aber mögliche Variablen vorschlagen, die das Kind dann beurteilt.
Rohmaterial nutzen
KI Ergebnisse sollten wie Ton behandelt werden, nicht wie eine fertige Skulptur.
Schülerinnen und Schüler sollen sie prüfen, hinterfragen, umformen und verbessern.
Sie sollen fragen:
Was ist daran nützlich?
Was ist falsch?
Was fehlt?
Was würde das besser machen?
Was denke ich selbst?
Prozess zeigen
Wenn Schülerinnen und Schüler KI nutzen, sollen sie zeigen, wie sie sie genutzt haben.
Sie müssen vielleicht zeigen:
Was sie KI gefragt haben
Was KI geantwortet hat
Was sie behalten haben
Was sie verändert haben
Was sie abgelehnt haben
Warum sie diese Entscheidungen getroffen haben
So kann die Lehrperson sehen, ob das Kind wirklich denkt.
Urteil bewerten
KI kann schwache Arbeit glatt aussehen lassen. Darum sollten Lehrpersonen sich nicht allein von schönen Formulierungen beeindrucken lassen.
Stattdessen sollten sie auf Urteilskraft achten. Hat das Kind eine gute Frage gestellt? Hat es Fehler bemerkt? Hat es die Arbeit verbessert? Kann es seine Entscheidungen erklären? Kann es über das Thema auch ohne KI sprechen?
Das ist entscheidend.
Beispiele nach Fächern
Schreiben: Schülerinnen und Schüler schreiben zuerst ihren eigenen Aufsatz. Danach bitten sie KI, die Gegenseite zu vertreten. Sie müssen ihren Aufsatz verbessern, indem sie auf das stärkste Gegenargument eingehen.
Geschichte: KI schreibt einen ersten Argumententwurf zu einem historischen Ereignis. Schülerinnen und Schüler prüfen ihn anhand von Primärquellen, finden die schwächste Stelle und schreiben ihn sorgfältiger neu.
Naturwissenschaften: KI erklärt ein naturwissenschaftliches Konzept auf drei verschiedene Arten. Schülerinnen und Schüler entscheiden, welche Erklärung am klarsten ist, welche am wenigsten korrekt ist, und schreiben danach ihre eigene Erklärung.
Mathematik: KI gibt eine falsche Lösung zu einer Aufgabe. Schülerinnen und Schüler finden den Fehler und erklären die richtige Denkweise.
Sprachen: KI erstellt einen kurzen Dialog in der Sprache, die die Schülerinnen und Schüler lernen. Sie korrigieren ihn mit Hilfe der Unterrichtsmaterialien, üben ihn laut und erklären, was sie geändert haben.
Gestaltung und Design: KI erstellt mehrere Ideen für ein Plakat. Schülerinnen und Schüler wählen eine Richtung, verändern sie, ergänzen ihre eigene Botschaft und erklären ihre Gestaltungsentscheidungen.
Musik: KI macht aus einem Liedtext eines Kindes zwei mögliche musikalische Versionen. Das Kind wählt die bessere Version, überarbeitet den Text und erklärt, welche Version besser zur gewünschten Stimmung passt.
Agora: KI gibt Argumente für beide Seiten einer moralischen Frage. Schülerinnen und Schüler erkennen Annahmen, fehlende Perspektiven und schwache Begründungen, bevor sie sich eine eigene Meinung bilden.
8. KI Bildung
Kinder sollten KI nicht nur von Freundinnen und Freunden, sozialen Medien oder der gerade beliebten App kennenlernen.
KI Bildung muss unterrichtet werden.
Damit meinen wir einfache, aber wichtige Gedanken, die jedes Kind verstehen sollte.
KI kann helfen
KI kann helfen zu erklären, zu ordnen, Ideen zu sammeln, zu übersetzen, zusammenzufassen und zu gestalten. Wir sollten nicht so tun, als hätte sie keinen Wert. Kinder sollen lernen, wo KI helfen kann.
KI kann irren
KI klingt oft selbstbewusst, auch wenn sie falsch liegt. Das ist eine der wichtigsten Lektionen.
Ein Kind soll lernen zu fragen:
Woher weiss ich, dass das stimmt?
Glanz täuscht
Eine glatt formulierte Antwort ist nicht automatisch eine gute Antwort. Schöne Sprache kann schwaches Denken verdecken.
Schülerinnen und Schüler müssen lernen, dass flüssige Texte, ansprechende Folien oder selbstbewusste Erklärungen nicht dasselbe sind wie Wahrheit oder Qualität.
Fragen zählen
Eine unklare Frage führt meistens zu einer unklaren Antwort. Eine bessere Frage führt zu einer besseren Antwort.
Das lehrt Kinder etwas, das über KI hinausgeht. Es lehrt sie, dass gute Fragen wichtig sind.
KI kann verzerren
KI lernt aus grossen Mengen menschlicher Inhalte. Deshalb kann sie menschliche Vorurteile, Ungerechtigkeiten und blinde Flecken wiederholen.
Schülerinnen und Schüler sollen lernen zu fragen:
Welche Sichtweise fehlt?
Welche Annahmen werden gemacht?
Könnte diese Antwort unfair oder unvollständig sein?
Beweise prüfen
Kinder wachsen in einer Welt auf, in der Bilder, Stimmen und Videos gefälscht werden können.
Das bedeutet, sie müssen lernen, etwas nicht einfach deshalb zu glauben, weil sie es online gesehen haben.
Sie sollen fragen:
Woher kommt das?
Kann ich es an einer verlässlichen Stelle überprüfen?
Könnte es mit KI gemacht worden sein?
Wem nützt es, wenn ich das glaube?
Gefühle schützen
Manche KI Werkzeuge sind so gestaltet, dass sie sich wie ein Freund anfühlen. Sie können immer verfügbar, immer zustimmend und emotional ansprechbar sein.
Das kann besonders für Kinder riskant sein. Kinder brauchen echte Beziehungen zu echten Menschen. Sie sollten nicht ermutigt werden, emotionale Bindungen zu künstlichen Begleitern aufzubauen.
Darum erlaubt Lumos keine KI Begleiter Apps.
Daten schützen
Bei vielen KI Werkzeugen kann das, was Nutzer eingeben, gespeichert, überprüft oder zur Verbesserung des Systems verwendet werden. Darum sind wir vorsichtig.
Kinder sollten keine persönlichen oder sensiblen Informationen in allgemeine KI Werkzeuge eingeben.
Dazu gehören vollständige Namen, Adressen, private Familiendetails, medizinische Informationen, Passwörter, persönliche Konflikte oder alles, was sie nicht mit anderen teilen möchten.
Die Reflexionsgewohnheit
Nachdem Schülerinnen und Schüler KI genutzt haben, sollen sie drei Fragen stellen:
• Wo hat KI mir geholfen?
• Wo hat KI mich in die Irre geführt?
• Wie hätte ich KI besser nutzen können?
Diese Gewohnheit ist einfach, aber stark. Sie lehrt Kinder nicht nur, KI zu nutzen, sondern über die eigene Nutzung nachzudenken.
9. Projekte
Unser Projektblock am Mittwoch ist ein guter Ort für eine sorgfältige Nutzung von KI.
Projekte sind kreativ, praktisch und von den Interessen der Schülerinnen und Schüler getragen. Kinder versuchen, etwas Echtes zu erschaffen. Das kann ein guter Rahmen für KI sein, solange das Kind die Kontrolle behält.
Die zentrale Frage lautet:
Hilft das Werkzeug dem Kind, seine eigene Idee umzusetzen, oder entscheidet es für das Kind?
Wir begrüssen Werkzeuge, die Kindern bei der Umsetzung helfen. Wir wollen keine Werkzeuge, die ihr Denken ersetzen.
Gute Nutzung
Ein Kind sagt:
Ich möchte ein Lied über meine Grossmutter machen. Ich habe die Worte geschrieben. KI hat mir geholfen, zwei musikalische Stile auszuprobieren. Ich habe den gewählt, der zärtlicher klang, und das Ende geändert.
Schlechte Nutzung
Ein Kind sagt:
Ich habe KI gefragt, welches Projekt ich machen soll, was ich sagen soll, wie es aussehen soll und wie ich es präsentieren soll.
Das erste Kind nutzt ein Werkzeug. Das zweite Kind lässt sich vom Werkzeug führen.
Musik
Ein Kind schreibt einen Liedtext oder beschreibt eine Stimmung. Ein genehmigtes Musikwerkzeug hilft, ein Lied oder Arrangement zu erstellen. Das Kind wählt aus, überarbeitet und erklärt die endgültige Version.
Gestaltung
Ein Kind erstellt Plakate, Folien oder Grafiken mit einem genehmigten Gestaltungswerkzeug. KI kann bei Layout Ideen helfen, aber das Kind wählt die Botschaft, prüft Fakten und trifft Gestaltungsentscheidungen.
Websites
Ein Kind, das an einem kleinen Unternehmen, einer Kampagne oder einem Forschungsprojekt arbeitet, kann eine einfache Website erstellen. KI kann mögliche Abschnitte vorschlagen, aber das Kind schreibt die Inhalte und prüft alle Aussagen.
Spiele
Ein Kind erstellt ein Spiel in Scratch oder einem anderen genehmigten Werkzeug. In höheren Klassen kann KI bei Figurenideen oder beim Fehlersuchen helfen, aber das Kind muss die Logik des Spiels verstehen.
Programmieren
Jüngere Kinder sollten zuerst Grundlagen des Programmierens mit visuellen Programmierumgebungen lernen. Ältere Schülerinnen und Schüler dürfen KI Hilfe beim Programmieren nur dann nutzen, wenn sie erklären und debuggen können, was sie verwenden.
Video
Schülerinnen und Schüler können kurze Filme, Erklärvideos oder Animationen aus eigenen Drehbüchern oder Storyboards erstellen. KI kann bei der Produktion helfen, aber Ideen und Urteilskraft müssen beim Kind bleiben.
Werkzeug Freigabe
Kein Kind darf ein KI Werkzeug nutzen, das nicht zuerst von der Schule freigegeben wurde.
Das ist wichtig, weil Werkzeuge sehr unterschiedlich sind. Manche sammeln Daten. Manche setzen Kinder ungeeigneten Inhalten aus. Manche sind für Erwachsene gedacht. Manche fördern Abhängigkeit. Manche treffen zu viele Entscheidungen für das Kind.
Neue Werkzeuge müssen vor der Nutzung geprüft werden.
10. Lehrpersonen
An der Lumos Schule sollten die wichtigsten KI Nutzer die Lehrpersonen sein.
Das mag manche Eltern überraschen. Aber es ist sinnvoll.
KI ist in den Händen einer Fachperson sicherer als in den Händen eines Anfängers. Eine Lehrperson hat professionelles Urteilsvermögen. Ein Kind baut dieses gerade erst auf.
Wenn Lehrpersonen KI gut nutzen, können Kinder profitieren, ohne von KI abhängig zu werden.
Zum Beispiel kann KI Lehrpersonen helfen, bessere Materialien vorzubereiten, passendere Übungen zu erstellen, Unterricht zu planen, Beurteilungen zu gestalten und klarer zu kommunizieren.
KI ersetzt guten Unterricht nicht. Sie kann guten Lehrpersonen helfen, ihre Arbeit noch besser zu machen.
Differenzierung
Eine Lehrperson kann KI nutzen, um verschiedene Versionen desselben Materials für verschiedene Kinder zu erstellen.
Beispiele:
Ein Lesetext auf drei Niveaus
Zusätzliche Mathematikübungen für ein Kind, das Wiederholung braucht
Eine anspruchsvollere Aufgabe für ein Kind, das die Grundlagen bereits beherrscht
Eine Schreibaufgabe, die an ein persönliches Interesse des Kindes anknüpft
Eine einfachere Version von Anweisungen für ein Kind, das mehr Unterstützung braucht
Beurteilung
Eine Lehrperson kann KI nutzen, um Beurteilungen zu erstellen oder zu ordnen.
Beispiele:
Quizfragen entwerfen
Ein Bewertungsraster erstellen
Beispielantworten erstellen, die Schülerinnen und Schüler beurteilen können
Kurze Lernkontrollen für das Ende einer Lektion erstellen
Muster in Klassenergebnissen erkennen
Die Lehrperson trifft weiterhin das endgültige Urteil. KI kann unterstützen. Sie ersetzt keine professionelle Verantwortung.
Unterrichtsplanung
Eine Lehrperson kann KI nutzen, um schneller von einer Idee zu einem ersten Entwurf zu kommen.
Beispiele:
• Einen Unterrichtsablauf erstellen
• Gesprächsfragen entwickeln
• Praktische Aktivitäten vorschlagen
• Ein ausgearbeitetes Beispiel erstellen
• Einen Projektauftrag entwerfen
• Verschiedene Erklärwege für eine schwierige Idee finden
Rückmeldung
KI kann Lehrpersonen helfen, erste Entwürfe für Rückmeldungen zu erstellen, besonders wenn viel Schülerarbeit zu lesen ist.
Die Lehrperson prüft, überarbeitet und macht die Rückmeldung persönlich und genau.
Elternkontakt
KI kann Lehrpersonen helfen, Newsletter, Lernstandsberichte oder sensible Nachrichten zu entwerfen.
Lehrpersonen müssen dabei sorgfältig mit Kinderdaten umgehen. Sensible persönliche Informationen gehören nicht in allgemeine KI Werkzeuge.
Eigenes Lernen
Lehrpersonen können KI nutzen, um sich in unbekannte Themen einzuarbeiten, sich auf Unterricht vorzubereiten, sich abfragen zu lassen oder häufige Missverständnisse von Kindern zu verstehen.
Bevor eine Lehrperson zum Beispiel Stromkreise unterrichtet, kann sie KI nach typischen Missverständnissen fragen, die Kinder zu Strom haben. So kann sie die Lektion besser planen.
Gute Gewohnheit
Bevor eine Lehrperson eine Aufgabe auf die gewohnte Weise erledigt, kann sie fragen:
Könnte KI mir helfen, das besser oder schneller zu machen?
Wenn die Antwort ja lautet, soll sie KI überlegt nutzen. Wenn die Antwort nein lautet, lässt sie es bleiben.
Das Ziel ist nicht, KI für alles zu nutzen. Das Ziel ist, KI dort zu nutzen, wo sie Kindern wirklich beim Lernen hilft.
11. Ehrlichkeit
KI macht Schummeln leichter.
Eine Schülerin oder ein Schüler kann KI bitten, einen Aufsatz zu schreiben, eine Frage zu beantworten, ein Buch zusammenzufassen, eine Mathematikaufgabe zu lösen oder ein Projekt zu erstellen.
Wenn ein Kind das tut, besteht das grösste Problem aber nicht darin, dass die Schule getäuscht wurde. Das grösste Problem ist, dass das Kind das Lernen verpasst hat.
Ein Kind, das KI das Denken übernehmen lässt, betrügt sich selbst.
Unsere Grundregel
KI darf nur genutzt werden, wenn die Lehrperson dies für die jeweilige Aufgabe klar erlaubt hat.
Wenn KI erlaubt ist, muss die Schülerin oder der Schüler zeigen, wie sie genutzt wurde.
Wenn KI nicht erlaubt ist, gilt die Nutzung von KI als Schummeln.
Nicht erlaubt
KI bitten, einen Aufsatz zu schreiben, und ihn abgeben
KI bitten, eine Mathematikaufgabe zu lösen, die das Kind selbst lösen soll
KI nutzen, um ein Buch zusammenzufassen, statt es zu lesen
Eine KI Erklärung in eine naturwissenschaftliche Arbeit kopieren
KI bitten, eine Projektidee zu entwickeln, wenn die Aufgabe darin besteht, selbst eine Idee zu entwickeln
Ein nicht freigegebenes Werkzeug nutzen
Erlaubt mit Freigabe
KI nach Gegenargumenten fragen, nachdem man einen Aufsatzentwurf selbst geschrieben hat
KI nach drei Erklärungen zu einem Konzept fragen und sie dann prüfen
KI nutzen, um Lernfragen zur Vorbereitung zu erstellen
KI um Rückmeldung zu einem Text bitten, den das Kind bereits selbst geschrieben hat
KI beim Fehlersuchen in Code nutzen, den das Kind versteht
Ein freigegebenes Gestaltungswerkzeug nutzen, um ein Projekt umzusetzen
Missbrauch reduzieren
Lehrpersonen werden den Prozess sichtbar machen. Schülerinnen und Schüler können gebeten werden, Entwürfe, Notizen, Fragen an KI, KI Antworten, Änderungen und abgelehnte Ideen zu zeigen.
Lehrpersonen werden Kinder bitten, ihr Denken zu erklären. Wenn ein Kind eine sehr glatte Arbeit abgibt, sie aber nicht erklären kann, ist das ein Problem.
Lehrpersonen werden Aufgaben so gestalten, dass sie schwerer auszulagern sind. Arbeit, die auf Unterrichtsgesprächen, eigenen Beobachtungen, Experimenten, Entwürfen und mündlicher Erklärung beruht, ist für KI viel schwerer zu ersetzen.
Lehrpersonen werden offen darüber sprechen, warum das wichtig ist. Es soll kein Katz und Maus Spiel werden. Wir wollen, dass Schülerinnen und Schüler verstehen: Die Arbeit ist für sie selbst.
12. Grenzen
Einige Regeln müssen klar und verlässlich sein.
Keine Begleiter Apps
Schülerinnen und Schüler dürfen in der Schule keine KI Begleiter oder Charakter Apps nutzen. Gemeint sind Werkzeuge, die Freundschaft, emotionale Nähe, Romantik oder eine dauerhafte persönliche Begleitung simulieren.
Beispiele sind Character.AI, Replika und ähnliche Werkzeuge.
Wir raten Familien auch zu Hause deutlich von solchen Werkzeugen ab.
Die Sorge betrifft nicht ein einzelnes Gespräch. Die Sorge betrifft das Design. Solche Werkzeuge können immer verfügbar, immer zustimmend, emotional ansprechend und darauf ausgelegt sein, das Kind möglichst lange zu binden. Das ist kein gesunder Ersatz für echte menschliche Beziehungen.
Keine offenen Chatbots
Kinder unterhalb der 6. Klasse sollten in der Schule keine offenen Chatbots allein nutzen.
In der 4. und 5. Klasse kann eine Lehrperson KI auf einem gemeinsamen Bildschirm für eine klare Unterrichtssituation zeigen.
Ab der 6. Klasse können Schülerinnen und Schüler langsam und unter Anleitung der Lehrperson beginnen, KI zu nutzen.
Keine fertige Arbeit
Schülerinnen und Schüler dürfen KI Ergebnisse nicht als eigene Arbeit abgeben.
Sie müssen sie hinterfragen, prüfen, verbessern, weiterentwickeln oder erklären, warum sie sie abgelehnt haben.
Keine sensiblen Daten
Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler dürfen keine sensiblen Kinderdaten in allgemeine KI Werkzeuge eingeben.
Dazu gehören vollständige Namen, Familiendetails, medizinische Informationen, persönliche Konflikte, Verhaltensfragen, Adressen, Fotos oder alles, was ein Kind identifizierbar macht, ausser das Werkzeug wurde ausdrücklich für diesen Zweck genehmigt.
Nur geprüfte Werkzeuge
Schülerinnen und Schüler dürfen nur Werkzeuge nutzen, die von der Schule geprüft und freigegeben wurden.
Bevor ein Werkzeug freigegeben wird, fragen wir:
Was macht es?
Welche Daten sammelt es?
Ist es für dieses Alter geeignet?
Schützt es die Privatsphäre der Kinder?
Erhält es das Denken des Kindes?
Setzt es Kinder ungeeigneten Inhalten aus?
Fördert es Abhängigkeit?
Hilft es dem Kind, etwas zu erschaffen, oder trifft es Entscheidungen für das Kind?
Aufsicht reicht nicht
Lehrpersonen werden KI Nutzung beaufsichtigen, aber Aufsicht allein beseitigt nicht jedes Risiko.
Darum brauchen wir auch klare Regeln, sorgfältig gestaltete Aufgaben, das Verständnis der Eltern und regelmässige Überprüfung.
13. Weiterlernen
KI verändert sich schnell. Die Werkzeuge werden besser. Neue Risiken werden entstehen. Manche Werkzeuge, die heute nützlich wirken, können später weniger nützlich sein. Manche Werkzeuge, die heute riskant wirken, können mit besseren Schutzmechanismen sicherer werden.
Darum ist dieses Dokument nicht endgültig.
Wir werden es mindestens alle sechs Monate überprüfen.
Dabei werden wir fragen:
Was haben wir von den Schülerinnen und Schülern gelernt?
Was haben Lehrpersonen als wirklich hilfreich erlebt?
Welche Werkzeuge sollten freigegeben werden?
Welche Werkzeuge sollten entfernt werden?
Werden Schülerinnen und Schüler fähiger oder abhängiger?
Schützen wir die Privatsphäre gut genug?
Machen unsere Aufgaben das Denken der Kinder sichtbar?
Stärken wir weiterhin zuerst das Denken?
Wir erwarten, dass sich die Details verändern. Das Prinzip soll stabil bleiben.
Das Prinzip
Zuerst stärken wir das Denken des Kindes. Dann zeigen wir dem Kind, wie es das Werkzeug nutzt.
14. Schluss
Dieses Dokument handelt nicht eigentlich von Technologie. Es handelt von Kindern.
KI wird sich verändern. Die Werkzeuge, die Kinder in zehn Jahren nutzen, könnten viel mächtiger sein als die Werkzeuge, die wir heute sehen. Wir können nicht jedes Detail dieser Zukunft vorhersagen.
Aber wir können Kinder darauf vorbereiten.
Wir können ihnen helfen, starke Leserinnen und Leser zu werden, klare Schreiberinnen und Schreiber, sorgfältige Mathematikerinnen und Mathematiker, neugierige Forscherinnen und Forscher, gute Freundinnen und Freunde, kreative Gestalterinnen und Gestalter, ehrliche Schülerinnen und Schüler und verantwortungsvolle Bürgerinnen und Bürger.
Wir können ihnen beibringen, bessere Fragen zu stellen. Wir können ihnen beibringen zu prüfen, was ihnen gesagt wird. Wir können ihnen beibringen, ihre Arbeit zu überarbeiten. Wir können ihnen beibringen, Selbstbewusstsein nicht mit Wahrheit zu verwechseln. Wir können ihnen beibringen, mächtige Werkzeuge zu nutzen, ohne von ihnen abhängig zu werden.
Das ist unser Ziel an der Lumos Schule.
Nicht Kinder, die KI vermeiden.
Nicht Kinder, die sich auf KI verlassen.
Sondern Kinder, die KI gut nutzen können, weil sie auch ohne KI gut denken können.